„Unwissenheit ist Stärke.“ George Orwell und das Metaverse

„Krieg ist Frieden; Freiheit ist Sklaverei; Unwissenheit ist Stärke:“ So lautet eines der berühmtesten Zitate aus George Orwells bekanntestem Roman 1984 von 1949. Bis heute gilt 1984 als das klassische Werk zur Warnung vor Totalitarismus, Überwachungsmaßnahmen und Monopolisierung. Seit Orwells Tod gibt es zahlreiche Beispiele, die Tendenzen zu seiner dystopischen Erzählung aufweisen. Beispielsweise das SED-Regime in der DDR oder die aktuelle politische Lage in China weisen erschreckend deutliche Parallelen zu Orwells Vision auf. Doch nicht nur Beispiele aus unserer unmittelbaren Vergangenheit oder aktuelle Geschehnisse, die sich in einzelnen Nationen ereignen, sollten uns Grund zur Sorge bereiten.

Am 28. Oktober benannte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sein Unternehmen Facebook Inc. in Metaverse Platforms um. Mittlerweile vereint der Konzern nicht nur Facebook, sondern auch Instagram und WhatsApp in sich. Seit über zehn Jahren steht Facebook, aufgrund seiner Datenschutzpraktiken in der Kritik. Die Auswertung von Nutzerdaten, das Ausspionieren fremder Kontakte oder auch die Gesichtserkennungssoftware sorgten für globale Empörung und enorme Protestaktionen. Facebooks Status als Datenkrake ist also längst kein Geheimnis mehr.

Doch die größten Probleme sind nicht nur die massiven Datenschutz-Vorwürfe. Viel mehr geht es im aktuellen Kontext um die mittlerweile überlebensgroße Monopolstellung Facebooks im Bereich der sozialen Netzwerke. Besondere Kritik erntete der Konzern besonders im Oktober, als die Facebook-Dienste für ganze sechs Stunden ausfielen. Während dieser Zeit hat nicht nur der Facebook-Konzern selbst insgesamt fast sieben Milliarden US-Dollar verloren. Zahlreiche Unternehmen beklagen Verluste in Millionenhöhe. Vorkommnisse wie diese zeigen klar und deutlich, dass Facebook-Dienste, wie WhatsApp und Instagram längst nicht mehr nur einfache Messenger-Applikationen oder soziale Medien zur Freizeitbeschäftigung, sondern systemrelevante Funktionen sind.

Orwell zeichnet in 1984 mit der „Sozialistischen Partei Englands“ das Bild einer diktatorisch regierenden Instanz, die mit Hilfe einer umfassenden Geschichtsfälschung die Vergangenheit beherrscht und durch nicht abschaltbare Telescreens die gesamte Bevölkerung zu jeder Zeit überwacht, deren Gespräche abhört und visuell kontrolliert. Es wirkt verstörend, welche Ähnlichkeiten Facebook mit dem allgegenwärtigen „Großen Bruder“ des Buches aufweist, der permanent zuhört und dessen Auge niemals verschlossen ist. In einigen Ländern verwenden Ordnungsmächte, Sicherheitsdienste und Zölle Facebook für verdeckte Ermittlungen sowie um Freundes- und Bekanntenkreise eines Täters, Demonstranten oder Regimegegners auszumachen. All diese Dinge gehören schon längst zu unserer Realität.

Wie gestaltet sich die Zukunft für Zuckerbergs Konglomerat nach all diesen Vorwürfen, Kontroversen und Skandalen? Was verspricht sich das Unternehmen davon, den Mutterkonzern in Meta Platforms umzubenennen? Ist es der Versuch, die Weste von der schuldbefleckten Vergangenheit reinzuwaschen?
Oder geht es letztendlich wieder einmal darum, das Monopol weiter zu maximieren, um noch mehr Daten und Informationen auszuwerten? „Connection is evolving and so are we.“ So steht es auf der neuen Meta-Homepage. Der nächste Schritt zur Evolution des sozialen Interagierens scheint zum Greifen nah. Die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen zunehmend. Und bereits jetzt ist der Konzern zu gigantisch, um noch zerschlagen werden zu können. Also was sind unsere Möglichkeiten?

Längst gibt es vielerlei andere Messenger-Dienste als valide Alternativen zu WhatsApp oder Instagram. Apps wie Fast oder Friendly bieten beispielsweise Zugriff auf die etablierten sozialen Netzwerke an, während sie deren Datenschutz-verletzenden Eigenschaften blockieren. Auch Messenger-Dienste wie Telegram, Signal oder Threema stellen, trotz der immensen Kritik, noch immer eine dezentrale und anonyme Möglichkeit zu chatten und Netzwerke aufzubauen bereit.

Wir sollten uns Fragen, wie wichtig uns unsere Privatsphäre sowie damit unsere fundamentalen menschlichen Eigenschaften sind. Fragen wir uns also, in welcher Zukunft wir leben wollen. Die quintessentielle Botschaft von 1984 und damit auch seine finale Warnung vermittelt George Orwell kurz vor seinem Tod im Jahre 1950:

„Don’t let it happen. It depends on you.“

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